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     *  Ab 26. Mai Bildhauerpleinair im Klostergarten  *     
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Heimatkunde

Der Monarchenhügel

Etwa 2 km südlich von Großgörschen befindet sich direkt an der Landstraße der "Monarchenhügel" (175m ü.NN), von dem aus König Friedrich Wilhelm II. von Preußen und Kaiser Alexander von Russland am 2. Mai 1813 die Schlacht gegen Napoleon verfolgten. Damals war es eine unscheinbare Erhebung über dem fast baumlosen Gelände. Heute die Sicht teilweise zugewachsen. Die Franzosen errungen hier noch einmal einen Sieg, nachdem sie sich schon auf dem Rückzug vom verlorenen Russlandfeldzug befanden. (Siehe auch das in der Daueraustellung "Die alten Pegauer" befindliche Diorama.) Zur Völkerschlacht bei Leipzig wurden die napoleonischen Truppen endgültig geschlagen und zogen sich darauf hin hinter den Rhein zurück.

 

Erzgebirgsblick

Monarchenhügel und

Erzgebirgsblick

 

Monarchenhügel

Der Monarchenhügel

 

Aufschüttung mit Sockel, Steinplatte und Gedenkstein


Der auf dem Hügel befindliche Sockel trug bis 1985 die von Schinkel entworfenen Pyramide aus Gusseisen. Risse im Gusskörper machten einen Restaurierung erforderlich. Wegen der drohenden Überbaggerung durch den herannahenden Tagebau Profen-Nord wurde die Schinkelsäule danach in unmittelbarer Nähe des Scharnhorstdenkmales im Ortsteil Großgörschen wieder errichtet. Zur Erinnerung an den Monarchenhügel verblieb jedoch der Sockel am ehemaligen Standort. Eine darauf liegende Steinplatte gibt Auskunft über den Verbleib der Säule. Der Tagebau Profen kam jedoch nicht an diese Stelle heran, lediglich das letzte Stück des Domsener Weges wurde überfahren. In Großgörschen wird alljährlich am 2.Mai das Scharnhorst-Fest mit Schaudarstellungen des ehemaligen Schlachtgeschehens begangen.

 

Gedenkstein

Gedenkstein am straßenseitigen Aufgang

 

SchinkelpyramideSchinkelpyramide in Großgörschen

 

Auf dem Domsener Weg, noch vor der Abzweigung rechts zum Monarchenhügel in Richtung Großgörschen, bietet sich über das nach Süden abfallende, rekultivierte Kippengelände ein weiter Ausblick über das südliche Sachsenland. Vor dem Kohleabbau lag das dortige Geländeniveau höher und hatte im Sternhügel (damals 181m ü.NN) seine höchste Erhebung. Bei guter Fernsicht kann heute am Horizont sogar der Erzgebirgskamm mit Fichtelberg und Auersberg gesehen werden. Ein Fernglas leistet dabei gute Dienste.

 

Ergebirgsblick

Erzgebirgsblick ansehen

 

Der neue Gyersberg

Südlich der B 176, Ortslage Großstoplen, erhebt sich wieder wie einst, bevor der Tagebau Schleenhain die Landschaft veränderte und den ehemaligen Geyersberg nahe Pödelwitz um 1975 überfuhr, ein 171 m(ü. NN) hoher Kunst-Hügel auf der Wasserscheide zwischen Elster und Schnauder. Seine Anlage begann 1992. Die Vollendung, einschliesslich aller Installationen, zog sich bis 2008 hin. Auf der Kuppe des neuen Geyersberges stehen nun auch vier Panoramaschautafeln, die den Besucher die Sicht in alle 4 Himmelsrichtungen erklären wollen. Am Fuße des Geyersberg informieren weitere Schautafeln den interessierten Wanderer. Siehe dazu auch die Webseite der Stadt Groitzsch.


Mehrere Wege, so z.B. vom See her oder von der Landstraße nach Oellschütz abzweigend, führen zu ihm hinauf.

 

Neuer und ehemaliger Geyersberg

Neuer und ehemaliger Geyersberg

 

Geyersberg-Blick

Der Heyersberg-Blick von Norden

 

Geyersberg

Ansicht aus der Schnauderaue

 

An Tagen mit guter Fernsicht ist ein überwältigender Panoramablick möglich.
Hier einige der möglichen Extremfernblicke: Im Westen ist der rund 41 km entfernte Schornstein des Kraftwerkes Buna Schkopau auszumachen. Im Norden schweift der Blick bis zum 24 km entfernten Leipziger City-Hochhaus. Im Osten kann in 32 km Entfenung der Rochlitzer Berg entdeckt werden. In südlicher Richtung sieht man direkt über den Altenburger Funkturm auf dem Weissen Berg hinweg bis zum Fichtelberg, der von hier aus 82 km weit weg steht. Ein Fernglas läßt sogar den die Aufbauten auf dem Berg erkennen. Der Auersberg dagegen wird durch die Hochkippe Phönix verdeckt.

 

Geyersberg

 

Die Zukunft der Geyersbergaussicht


Erst der Rückbau von Tagebauen und Kohleverarbeitungsanlagen nach der Wende und die anschliessenden Rekultivierung durch die LMBV schuf die neuen Aussichtspunkte im Leipziger Südraum. Perspektivisch ist allerdings eine Beeinträchtigung der Sichtmöglichkeiten gerade durch das Höhenwachstum der neuen Waldanpflanzungen zu erwarten. So kann vom Geyersberg die Wasserfläche des Grossstolpener Sees nicht mehr eingesehen werden. Die Pulttafel Nord (aufgenommen spätestens 2005) zeigt noch den See. Der Erzgebirgsblick wird in einigen Jahrzehnten wahrscheinlich im heutigen Umfang nicht mehr sichtbar sein. (Siehe auch den zugewachsenen Ausblick von der Stöntzscher Höhe auf die Ortslage Pegau). Abhilfe kann dann nur eine Erhöhung schaffen, wie das bereits auf der Hochhalde Trages mit einem Aussichtsturm geschah.

 

 

Erinnerung an Stöntzsch

Vor 1964

Stöntzsch 1964Die Lage von Stöntzsch

 

Im Jahre 2002

Stöntzsch heute

Heute: Der Tagebau, wo einst Stöntzsch lag.

Vergleiche mit dem obigen Kartenausschnitt!

 

Ehemalige Ortsansicht

Ehemalige Ortsansicht

 

Dieses Dorf gibt es nicht mehr. Es wurde 1964 devastiert und vom Braunkohletagebau Profen überbaggert. Stöntzsch war einmal ein beachtliches Bauerndorf mit zuletzt über 700 Bewohnern. Die Erstnennung erfolgte in den Annalen des Pegauer Klosters zum Jahre 1096. Die Stöntzscher Chronik berichtet von der wechselvollen Geschichte des Ortes. Auf Grund ihres Umfanges wird die Chronik an dieser Stelle nicht wiedergegeben.

 

Kirche

 

Heute erinnert ein Gedenkstein auf der Kippe unweit der früheren Ortslage an das verlorene Dorf Stöntzsch:

Gedenktafel

Die Einweihung der Gedenktafel
im September 2007.

 

 

Vom der Plattform der Stufenpyramide eröffnet sich ein Blick über die rekultivierte Kippenlandschaft und den Tagebau Profen-Nord, wo einst das Dorf Stöntzsch stand:

 

Schweinstein

Schweinstein mit Stufenpyramide

 

 

Stöntzscher Höhe Rundblick


Rundblick

Panorama ansehen

 

 

Schwarzer Fleck am Pegauer Himmel

Vom 12. November 1799

In der Köhlerschen Chronik von Pegau ist für den 12. November 1799 vermerkt:
"Den 12. November früh dreiviertel nach sieben war ein sonderbares Phänomen am Himmel das würklich fürchterlich aus sahe. Zuerst ward ein großer runder schwarzer Fleck am blauen Himmel, der einen Weile stand wie ein schwarzer Planet, hernach that er sich auf, und eine Feuerkugel die alles beleuchtete kam heraus, und ließ einen feurigen Weg hinter sich." (Gefunden von Tylo Peter). Weitere Angaben zu diesem Ereignis machte der damalige Chronist Friedrich August Fissel (1782 - 1858) nicht.

 

Die Quelle

Originalschrift

Originalschrift aus der Köhlerschen Chronik

 

abgeschrieben von Karl August Kühn (1819 - 1886) bei F.A. Fissel

 

Rätselhafte Erscheinung nach über 200 Jahren aufgeklärt?
Was besagen diese 2 Sätze? An jenen Morgen am 12. November 1799 erlebten die Pegauer ein bis dato noch nie gewesenes schreckliches Schauspiel am Himmel. Der damalige Ortschronist, Ferdinand Christian Walther (1738-1803) hielt es jedenfalls für so außergewöhnlich wichtig, dass er es in der Ortschronik für die Nachwelt dokumentierte. Der Himmel war blau, es herrschte ein klares, gewöhnliches Herbst-Hochdruckwetter. Ein unbekannter schwarzer runder Fleck war am Himmel zu sehen. Aus ihm heraus schoss eine Feuerkugel, deren Licht die aufgehenden Sonne überstrahlte und alles hell beleuchtete. Diese Feuerkugel hinterließ eine glühende Spur am Firmament. Wie kann man nun nach 210 Jahren dieses Geschehen mit unserem heutigen Wissensstand deuten und welcher Zusammenhang besteht zwischen dem schwarzen Fleck und der Feuerkugel? Zuerst soll mit einer einfachen Planetariumssoftware (hier Stellarium 0.9.2), der Himmelsanblick vom 12.11.1799 7.45 Uhr simuliert werden. Weiterhin ist nach Meteorströmen zu suchen, die in der ersten Novemberhälfte aktiv sind und auch helle Feuerkugeln auslösen. Schließlich sind die physikalischen Begleiterscheinungen einer Feuerkugel in Verbindung zur Situation am Morgenhimmel mit dem damaligen Ereignis zu vergleichen.

 

Die Umrechnung der Zeitangabe
Um eine zeitrichtige Simulation des Himmelsanblicks für den damaligen Zeitpunkt zu erstellen, ist die Uhrzeitangabe "dreiviertel nach Sieben" auf die heute gebräuchliche MEZ um zurechnen. Ende des 18. Jahrhunderts hatte noch jeder Ort seine eigene Zeit, die an der Sonnenuhr orientierte wahre Ortssonnenzeit. Die verwendeten mechanischen Uhren hatten aufgrund ihres ungenauen Räderwerkes oft tägliche Abweichungen von bis zu 15 Minuten. Sie mussten regelmäßig an einer Sonnenuhr ab geglichen werden. Heute gibt es auf der Erde 24 Zeitzonen mit jeweils 1 Stunde Unterschied, die alle auf die Zeit des Nullmeridians (Greenwich) bezogen sind (Weltzeit-GMT). Dreiviertel nach Sieben am 12. November 1799, es war ein Sonntag, entspricht nach einer Umrechnung mit der Zeitgleichung einer MEZ von 7.41 Uhr.

 

Die Bahn der Feuerkugel
Im November dominiert der Meteorstrom der Leoniden mit einem Aktivitätsmaximum vom 9.-21.Tag. Sie rühren aus den Zerfallsprodukten des Kometen Tempel-Tuttle (1866 I) her und bringen oft sehr helle Feuerkugeln mit. Alle 33 Jahre kann es jedoch zu einem besonderen Spektakel kommen: Kreuzt die Erde die Umlaufbahn des Kometen Tempel-Tuttle kurz nachdem dieser das innere Sonnensystem durchquert hat, so ist die Zahl der sichtbaren Leoniden-Meteore besonders groß. Große Aktivitätsmaxima waren in den Jahren 1799, 1833 und 1866. Die Sichthäufigkeit von Meteoren nimmt zudem gegen Ende der Nacht zu, so am Morgen die meisten Meteore auftreten. Das liegt in der Bahnbewegung der Erde und ihrer Rotation entgegen der Uhrzeigerrichtung begründet. Es ist daher zu vermuten, dass der Feuerball vom 12.11.1799 ein Leonid war. Die Leoniden kommen scheinbar aus einen bestimmtem Punkt im Sternbild Löwe, ihren Radianten. Die Flugbahn der Feuerkugel, d.h. ihre rückwärtige Bahnverlängerung, nahm ihren Anfang im Sternbild Löwe. Feuerkugeln hinterlassen oft einen länger sichtbaren Rauch- oder Staubschweif bei ihren Flug durch die Atmosphäre. Mitunter kommt es infolge der enormen Reibungshitze beim Flug durch die Erdatmosphäre zu explosiven, äußerst lichtintensiven Teilungen des Objektes, wie es auch in diesem Falle gewesen sein muss. Die Explosion unseres Feuerballs ist vermutlich im Bereich des morgendlich aufgehellten Osthimmels erfolgt. Die dabei entstandene Rauchwolke stand kontrastierend vor dem Sonnenstrahlen und konnte so vom Beobachter als ein sehr dunkles Wölkchen wahrgenommen werden. Damit wäre auch die ungefähre Richtung ihrer Bahn bekannt. Bedauerlicherweise wurde in der Chronik die Position des schwarzen Fleckes im Verhältnis zu der noch sichtbaren hellen Venus nicht erwähnt. Damit wäre die Bahnkurve des Feuerballs genauer zu bestimmen.

 

Feuerkugel

Himmelssituation

am 12.11.1799 um 7.45 Uhr

 

Das zerplatzen des Meteoriden in einer Höhe von etwa 10-20km verursachte einen oder sogar mehrere gewaltige Lichtausbrüche. Erheblich schwieriger gestaltet sich die Interpretation der Attribute des beschriebenen schwarzen Fleckes wie „groß… rund ... wie ein schwarzer Planet“. Scheinen sie sich doch gegeneinander zu widersprechen. Planeten sind in der Regel mit bloßem Auge nicht „groß“ zu sehen (Ausnahme: Die Sichel der Venus in Erdnähe erreicht einen Durchmesser von einer Bogenminute, was ein gutes, scharfes Auge noch auflösen könnte.), ihre wahre Gestalt ist nur im Teleskop zu erkennen. Entweder war dem Beobachter der Anblick von Planeten im Fernrohr bekannt und er wollte damit nur die Form des Fleckes unterstreichen, oder es sind die größeren Körper unseres Planetensystems, Sonne und Mond im übertragenen Sinne mit ihrer Größe gemeint. Damit ergäbe sich ein Durchmesser der Staub- oder Rauchwolke von ungefähr 0,5 Grad.

 

Feuerballexplosion

Feuerballexplosion am 12. 11.1799 7.45 Ortszeit

Ansicht von Nordwesten

 

Die angegeben Sichtbarkeitsdauer des Fleckes von einer Weile lässt sich nicht näher beziffern. Da die Luftbewegung am Morgen bei „blauen Himmel“ noch ruht, konnte die Wolke, heutigen Beobachtungen zur Folge, durchaus bis zu einer Stunde noch gesehen werden. Vermutlich kam es auch zum Fall eines oder mehrerer nicht verdampfter Teile des Boliden. Ohne Kenntnis des genauen Bahnverlaufs ist eine Zuordnung von eventuell doch möglichen zufälligen Funden ausgeschlossen.

 

Der schwarze Fleck

Der schwarze Fleck, Mysterium vom 12.11.1799

Mögliche Position am Morgenhimmel, rechts daneben Venus.

 

Die Schlussfolgerung
Vermutlich hatte der Chronist oder der ihm das Ereignis zugetragenen Beobachter die Ursache mit der Wirkung verwechselt. Zeitlich ist die Abfolge auch so schnell, das es für den Unkundigen und Überraschten kaum möglich ist zu unterscheiden, ob zuerst der Fleck da war oder doch die Feuerkugel. Geht man von der Annahme ab, die Feuerkugel wäre ein Leonid gewesen, sind auch andere Deutungen möglich. Es könnte sich auch tatsächlich dem Wortlaut der Chronik gemäß zugetragen haben: Eine erste, unbeobachtet gebliebenen Feuerkugel, welche direkt in Betrachterrichtung flog, verursachte eine schlauchförmige Rauchwolke, deren Stirnseite einen fleckenförmigen Anblick bot. Einige Zeit später folgte eine weitere Feuerkugel, die man sah. Ihre Bahn führte nahe an der Wolke vorbei oder durch stieß sie sogar. Die von dem Feuerball ausgelösten Luftturbulenzen führten schließlich zur beschleunigten Auflösung der fleckenartigen Wolke. Vielleicht wurde auch etwas beobachtet, für das es damals noch keine Worte gab und deshalb nur mit bekannten Begriffen beschrieben werden konnte. Deshalb wäre es wichtig, in den Chroniken der benachbarten Städte und Gemeinden nach ähnlichen Meldungen für den Morgen des 12. Novembers 1799 zu suchen. Der Sichtbarkeitsbezirk für Feuerkugeln kann einen Durchmesser von 200 km haben.

 

Der aufgeklärte moderne Mensch hat seine Furcht vor solchen Himmelserscheinungen weitgehend verloren. Beeindruckend ist so ein Schauspiel aber allemal noch. Zeigen uns solche Fälle doch immer wieder die Kräfte der Natur, der wir nach wie vor ausgeliefert sind. Schon der Niedergang eines Brockens mit etwa 10m im Durchmesser wäre eine lokale Katastrophe. Ein 1 km großer Asteorid oder Kometenkern würde das Ende unserer menschlichen Kultur bedeuten. Die Erdgeschichte verzeichnete bereits mehrfach solche kosmischen Großimpakte, die eine globale Vernichtung fast allen Lebens auf unseren Planeten zur Folge hatten. Die gegenwärtige Hilflosigkeit gegenüber solchen, immer mehr ins menschliche Bewusstsein rückende Bedrohungen, nährt derzeit allerlei Spekulationen über bevorstehende globale Katastrophen zur Winter-Sonnenwende 2012, an jener der laufende Kalenderzyklus der Maya nach über 5000 Jahren erstmals in der Neuzeit zu Ende gehen wird.