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Museum

 

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Das Leben der alten Pegauer
Ein kurzer Museumsführer durch das Leben der alten Pegauer
Diese Dauerausstellung zeichnet den Lebensweg unserer Eltern, Großeltern und deren Eltern und Großeltern an Hand von Zeitzeugnissen schriftlicher, bildlicher und gegenständiger Art bis in jene Zeiten nach, da sich „modernes“ bürgerliches Leben zu entwickeln begann - also über einen Zeitraum von gut zweihundert Jahren. Dabei kommt es nicht darauf an, wie alt die Exponate sind. Es kann also durchaus ein noch jüngst in Gebrauch gewesener Gegenstand neben einem „uralten“ platziert sein, wenn er hilft, den Lebensweg der „alten“ Pegauer zu manifestieren. Das Synonym „alte Pegauer“ steht für jene, die vor uns da waren! Die Exposition ist nach „Lebensabschnitten“ und „Lebensinhalten“ gegliedert.

 

Der hier vorgestellte Rundgang erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit. Kommen Sie zu uns und sehen Sie selbst!

 

 

 

Kindheit und Schule

 

 

Den Neugeborenen wurde ihr Schicksal in die Wiege gelegt. Je nachdem, wo diese gestanden hat, wurden sie Handwerker, später Arbeiter, oder waren zu „Besserem“ geboren. Ein gleiches widerfuhr den Mädchen, entweder sie wurden „eine Frau Meisterin“ oder aber Hausangestellte oder Fabrikarbeiterin, viele wurden ganz einfach Hausfrau!

 

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Taufbecken

Das Taufbecken kam 1934 ins Museum, als die Pegauer Stadtkirche einen neuen Taufstein gesponsert bekommen hatte. Nach den geltenden Zunftbestimmungen mussten alle von einem Zinngießermeister hergestellten Gegenstände mit dessen Meistermarke und dem Stadtwappen autorisiert werden (siehe die drei eingepunzten Marke unter der Beckeninschrift). Jedes Kind musste getauft werden (Es gab kein Leben außerhalb der christlichen Gemeinschaft!) Das in der Kirche geführte Taufregister (Taufbuch) war bis zur Einführung der Standesämter (1875) der offizielle Geburtsnachweis. Bis zum ersten Weltkrieg gehörten nahezu alle Pegauer der evangelischen Kirchgemeinde an, ihre Kinder wurden samt und sonder getauft.

 

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Taufbecken, St.Laurentiuskirche
Zinnguß Martin Goldbach, Pegau 1610

 

Der „Ernst des Lebens“ begann mit dem sechsten Lebensjahr mit der Einschulung in die achtklassige Volksschule. Lesen, Schreiben, Rechnen, Singen und Religion waren die stundenreichsten Fächer, dazu Turnen und Malen. Gefürchtet wurde von allen der Rohrstock, von dem der Lehrer regen Gebrauch zu machen pflegte, um sich den nötigen Respekt zu verschaffen. Manche Lehrerin sagt heute bei Museumsführungen hinter vorgehaltener Hand: „Das müssten wir auch noch können!“ Die Mädchen hatten zusätzlich Handarbeitsunterricht, hier erhielten sie die Grundkenntnisse im Stopfen und Stricken, lernten Monogramme sticken, damit sie später ihre „Aussteuer“ kennzeichnen konnten. Die hölzerne Schulbank mit ihren Klappsitzen und den klappernden Tintenfassdeckeln gehörte zum Ausstattungsstandard der Schulen. Das ABC und die ersten Rechenübungen wurden mit dem Griffel auf die Schiefertafel gekritzelt. Später griff man zum Federhalter. Der „Füller“ und der „Kuli“ sind Erfindungen der letzten fünfzig, sechzig Jahre und waren zunächst nicht im Unterricht zugelassen.

 

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Klassenzimmer

 

Lehre und Beruf

 

Am Palmsonntag (Sonntag vor Ostern) war in Pegau Konfirmation und Schulentlassung. Die Jungen traten nach dem Osterfest ihre Lehre an, warum die „Stifte“ auch „Osterjungen“ hießen. In der Regel ergriffen die Jungen den Beruf des Vaters. Für die ältesten Handwerkersöhne war dies obligatorisch, denn die sollten ja ein Mal das Geschäft des Vaters fortführen. Darum bekam der Bäckersohn auch keine Eisenbahn zum Spielen, sondern eine „Backstube“ mit Teigmulde, Backofen und Fertigwerde! Mit Spielzeug dieser Art wurden die Kinder von Handwerkern an die Arbeitswelt der Eltern herangeführt, in deren Fußstapfen sie einmal treten sollten. So bekam ein Bäckersohn eine „Backstube“ unter den Weihnachtsbaum gestellt und keine Eisenbahn! Die Spielsachen waren früher eher bescheiden. Längst nicht jeder Knabe hatte eine teuere Modelleisenbahn a la Märklin oder eine superbe Dampfmaschine. Die Mädchen begnügten sich meist mit einer vom Vater oder Großvater selbst gebastelten Puppenstube, - einen Teddy oder eine Puppe hatten wohl alle. Beliebt bei Jungs und Mädchen gleichermaßen sind Spiele der verschiedensten Art gewesen, worunter das wohl berühmteste der „schwarze Peter“ war.

 

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Backstube

Blech und Holz, um 1900

 

In der Zeit der Zünfte (vor 1863) durfte bei einem ehrbaren Handwerk nur in die Lehre gehen, wer nachweislich ehelicher Geburt und deutschstämmig war (aus unehelichen Kindern wurden Saisonarbeiter und Tagelöhner!). Man ging bei seinem Meister drei, manchmal auch vier Jahre in die Lehre, legte seine Gesellenprüfung ab (Gesellenstück) und musste dann gewöhnlich für weitere drei Jahre auf Wanderschaft, „auf die Walz“, gehen. Hier sollte der „frisch gebackene Geselle“ seine Fähigkeiten und Fertigkeiten vervollkommnen, um sich danach bei einem Meister dauerhaft zu verdingen. Der Geselle stand bei seinem Meister in „Arbeit und Brot“, d.h. in Kost und Logis. Der Aufstieg zum Meister blieb vielen Gesellen aus pekuniären Gründen zeitlebens versagt. Meistersöhne dagegen hatten es leichter, den Meisterbrief zu erwerben. Bürger konnte bis zum ersten Weltkrieg nur werden, wer in der Stadt ein Grundstück besaß (also sesshaft war) oder ein selbständiges Gewerbe ausübte.

 

Krieg und Frieden

 

In der Vergangenheit herrschte oft Krieg im Lande (Siebenjähriger Krieg, napoleonische Kriege). Dadurch wurde die Bevölkerung unmittelbar in Mitleidenschaft gezogen. Es gab aber auch lange Perioden des Friedens oder der Krieg fand in weiter Ferne statt (Deutsch-Französischer Krieg, erster Weltkrieg). Die Menschen haben sich nach bestem Vermögen mit den Zeitläufen arrangiert. Sie verliebten sich, waren oft sehr lange – bis die materielle Basis für eine Ehe geschaffen war – verlobt, haben schließlich geheiratet und sich ihren Hausstand eingerichtet. Der Hausfrau Lieblingsplatz befand sich am Fenster (nicht nur wegen der besseren Lichtverhältnisse bei den Handarbeiten!). Eine kleine Kommode beinhaltete alles, was sie benötigte. Bei Dunkelheit zündete sie die Öllampe an und damit man sich durch die helle Flamme nicht die Augen verdarb, wurde selbige mit einem „Lichtschirm“ abgedunkelt!!! Die Neuigkeiten erfuhr der Herr des Hauses beim Friseur („Balbier“), dort hing auch in einem „Zeitungsklemmer“ das „Tageblatt“, denn nicht jeder konnte das Geld für ein eigenes Abonnement aufbringen. Die Frauen „brannten“ sich ihre Locken zu Hause mit der Lockenschere selbst. Den Hitzetest machten sie mit einem Stück Zeitungspapier, nahm dieses eine braune Farbe an und roch „brennrig“, dann war die Schere zu heiß!

 

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Kommode mit Intarsien
Biedermeier, Anfang des 19. Jahrhunderts

 

 

Die Hauptwache der Karabiniers im Rathaus
Bis zu ihrer Verlegung nach Borna (1893) befand sich im Erdgeschoß des rechten Rathausseitenflügels die Hauptwache der 3. und 5. Schwadron des Köngl. sächs. Karabinierregiments. Die Dienstmädchen suchten sich ihre „Liebsten“ gewöhnlich bei den Soldaten. Im Körbchen verborgen, befanden sich ihre „Liebesgaben“, die der Speisekammer ihrer Herrschaft entstammten. Hinter dem großen Tor verwahrte die Stadt ihre Feuerspritzen bis zum Bau des Gerätehauses im Jahre 1891.


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Hauptwache

naive Deckfarbenmalerei, 1889


In bürgerlichen Kreisen bewegte sich die heiratsfähige Jugend galant auf dem Tanzparkett unter den strengen Augen eines Tanzmeisters, der darauf achtete, dass alles nach „Etikette“ zuging (hierzu: Tanzschuh, kokettes Täschchen und Fächer). Während einer oft mehrere Jahre währenden Verlobungszeit tauschten die Brautleute Liebesbezeugungen aus (siehe den kunstvoll durch Scherenschnitt gestalteten Liebesbrief). Geheiratet wurde grundsätzlich erst, wenn der Bräutigam in der Lage war, eine Familie zu ernähren. Die Mitgift der Braut war oft ein willkommenes Startkapital.

 

Diorama der Schlacht bei Großgörschen am 2. Mai 1813
Dargestellt ist das Schlachtgeschehen am Nachmittag des 2. Mai 1813, als die Preußen bei Großgörschen (hinten rechts) in Richtung Kleingörschen vorgehen. Der preußische Stab mit Marschall Blücher befindet sich rechts im Mittelgrund. Marschall Ney führt die französische Elitetruppen (Junge Garde) in die Schlacht (links im Mittelgrund). Um eine Vorstellung von dem tatsächlichen Geschehen zu haben, muss man sich für jeden „Zinnsoldaten“ einhundert Mann in der Realität vor Augen führen.

 

Dioramaschlacht

Schlachtdiorama Großgörschen 2.5.1813
Harald Kebbel, Weimar, 1953

 

Die Schlacht bei Großgörschen
Fissel hat als unmittelbarer Zeitzeuge die Ereignisse um die Schlacht mit filigraner Feder gezeichnet und getuscht. Dabei kam es ihm als Zivilisten weniger auf das militärische Geschehen, als vielmehr auf die Schrecken des Krieges und seine Auswirkungen auf die Bevölkerung an. Er malt, wie die Preußen die Habe der Bauern im Biwakfeuer verbrennen, das Vieh abschlachten und Kosaken den fliehenden Bauern die letzte Habe nehmen. Die Monarchen haben keinen Blick für die von ihnen verursachte Not übrig.

 

Schlacht

Die Schlacht bei Großgörschen
Friedrich August Fissel, 1814

 

Die Draisine
Der badische Forstmeister Karl Friedrich Drais hatte 1817 die erste „Laufmaschine“ gebaut. Der Pegauer Wagenbauer Simon stellte nach dem Vorbild einer von Offizieren der Pegauer Garnison mitgebrachten „Draisine“ mehrere Laufräder her. Das Laufrad konnte sich jedoch nicht durchsetzen.

 

Draisine

Draisine
Holz, Pegau 1869

 

Das Hochrad
Auch dem exotischen Hochrad war kein anhaltender Erfolg beschieden. Den Durchbruch brachte erst des „Veloziped“ (das Fahrrad).

 

Hochrad

Hochrad
Fabrikat: Bruno Zirrgiebel, Leipzig-Reudnitz um 1885

 

Stadt und Land

 

Die Bauernmöbel waren in Mittel- und Süddeutschland zum Teil sehr bunt und motivreich bemalt. Die meist rote „Grundierung“ stammt von einem Anstrich mit Ochsenblut. Die Malerei ist meist ein Werk der Frau des Schreiners gewesen. Die Bauernmöbel waren in Mittel- und Süddeutschland zum Teil sehr bunt und motivreich bemalt. Die meist rote „Grundierung“ stammt von einem Anstrich mit Ochsenblut. Die Malerei ist meist ein Werk der Frau des Schreiners gewesen. Das offensichtlich etwas zu kurz geratene Bauernbett bezeugt nicht etwa, dass die Leute damals viel kleiner gewesen wären als heute, sie hatten nur andere Schlafgewohnheiten. Sie schliefen (auf einem Strohsack) in halb sitzender Lage mit einem oder mehreren dicken Federkissen im Rücken! Die Kinderwiege hatte die Bäuerin gleich neben dem „Doppelbett“. Eine Mausfalle sollte die Mäusepopulation im Haus niedrig halten. Die Kleidungsstücke wurden im bunt bemalten Schrank (Schrein) verwahrt, dem Paradestück aus der Aussteuer. Das Mobiliar einer Bauernstube ist ansonsten schlicht und einfach gewesen: Bänke, Tische, Stühle und Truhen. Für schummrige Beleuchtung sorgte ein Kienspan. Viele Gerätschaften und Haushaltsgegenstände waren aus Holz. Die Bauernmöbel waren in Mittel- und Süddeutschland zum Teil sehr bunt und motivreich bemalt.

 

Bauernmöbel

Bauernmöbel
Ende 18. / Anfang 19. Jahrhundert

 

Der Arbeitstag des Landmannes richtete sich nach dem Tageslicht, er stand mit dem ersten Hahnenschrei auf und ging mit den Hühnern ins Bett. Wenn es doch einmal länger wurde, dann bediente man sich des flackernden Lichtes eines Kienspanes, der in einer eisernen Klemme gehalten wurde.

 

Kienspanhalter

Kienspanhalter
Ende 18./Anf. 19.Jh.

Aufstieg und Niedergang

 

Mit dem Aufstieg der Industrie seit der Mitte des 19. Jahrhunderts ging der Niedergang des Handwerks einher. In Pegau standen bald die Webstühle still, die in vielen Häusern geklappert hatten (Weberplatz, -gasse). Sie taugten nur noch als Feuerholz. Ein Glück, dass sich wenigstens ein solches Ungetüm erhalten hat. Mit der Weberei hörte auch das Spinnen auf, eine Lieblingsbeschäftigung der Frauen und Mädchen nach getaner Arbeit (Spinnen am Abend ist erquickend und labend). Arm waren jene dran, die sich damit ihren Lebensunterhalt verdienen mussten. Hier handelt es sich um den letzten erhaltenen Webstuhl aus Pegau. Mit dem Aufkommen der Maschinenweberei kam das Handweberhandwerk um die Mitte des 19. Jahrhunderts zum Erliegen. Die „arbeitslos“ gewordenen Weber und ihre Frauen gingen gleich den Schuhmachern als Arbeiter in die entstehenden Fabriken (insbesondere die Filzwarenfabrik Ferdinand Fischer). Auch die Erzeugnisse anderer Gewerke ersetzten billigere Fabrikprodukte. Aus den ehemals zünftigen Schuhmachern wurden die sogenannten „Fabrikschuhmacher“ (wer als solcher in Pegau oder Groitzsch keine Arbeit fand pendelte nach Weißenfels) oder „Schuster“. Letztere verdienten ihr Brot mit Schuhreparaturen. In Pegau entwickelte sich die Filz- und Hausschuhfabrik von Ferdinand Fischer zu einem Großunternehmen mit zeitweise bis zu 800 Beschäftigten. Daneben entstanden Gerbereien (Valter und Brumm) sowie eisenverarbeitende Betriebe (Schlossfabrik von Schlegel und Lichtenberger), eine Peitschenfabrik und eine Fabrik für Harmoniumzungen (übrigens die erste in Europa!) und die Stadtbrauerei Hoffmann.

 

Webstuhl

Webstuhl
Mitte 19.Jh.

 

Christbaumschmuck
Aus der Fabrikation von Clemens Keitel. Zu den wenigen Handwerksmeistern, die den Übergang vom zünftigen Handwerker zum Fabrikanten schafften, gehörte Clemens Keitel. Keitel (1832 – 1903) hatte das Nadlerhandwerk erlernt und sich als Nadlermeister in Pegau sesshaft gemacht. Mit dem Niedergang seines Gewerbes verlegte er sich zunächst auf den Handel mit amerikanischen Nähmaschienen und gründete zu Beginn der siebziger Jahre des 19. Jahrhunderts eine Christbaumschmuckfabrik, die ein großer Geschäftserfolg wurde.

 

Christbaumspitze

Christbaumspitze
Blech, geprägt, Lithographendruck 1880

 

Mit dieser Nähmaschine hielt die Technik Einzug in die Pegauer Schusterwerkstätten. Die Nähmaschine machte das Entstehen von Schuhfabriken möglich.

 

Schuhmachernähmaschine

Schuhmachernähmaschine
Eisen 1862

 

Schusterwerkstatt
Die „Schusterwerkscht“ bestand aus der „Unterwerkscht“ (hölzernes Podest) und der „Oberwerkscht“ (Tisch). Der Schuster saß bei der Arbeit auf einem „Schusterschemel“. Mit dem Knieriemen (der auch zweckentfremdet zur „Kindererziehung“ verwendet wurde) klemmte der Schuster den in Arbeit befindlichen Schuh auf dem Oberschenkel fest, um ihn zu reparieren. In der dunklen Jahreszeit sorgte eine Petroleumlampe für das nötige Licht (das durch die wassergefüllten gläsernen sog. „Schusterkugeln“ nach dem optischen Prinzip einer Linse gebündelt werden konnte). Jeder Schuster hatte einen Vogel, einen richtigen, der fröhlich in seinem Bauer herum hüpfte und tirilierte.

 

Schusterwerkstatt

 

Freizeit und Familie

 

Der Haushalt und die Kindererziehung waren reine Frauendomäne. Die „große Wäsche“ nahm die Hausfrau gleich mehrere Tage in Anspruch, es sei denn die Familie war so gut situiert, dass sie sich eine Waschfrau leisten konnte. Waschtag war in den meisten Familien auch zugleich Badetag. Da wurde die Zinkbadewanne im Waschhaus aufgestellt und es ging der Reihe nach ins „Bad“ - zuerst der Vater, dann die Mutter und schließlich die Kinder. Die Kleinsten wurden gleich zu mehreren in die Wanne gesetzt, das ging schneller! In vielen Haushaltungen stellte man die Badewanne in der Küche auf, dies kam vor allem dann vor, wenn ein böser Hauswirt das Baden im Waschhaus nicht gestattete. Für besonders beengte Verhältnisse hatte man eigens die platzsparende „Sitzbadewanne“ erfunden. Die getrocknete Wäsche wurde „gerollt“ bevor sie in den Schrank kam. In bürgerlichen Haushalten hatte man dazu seine eigene Wäschemangel. Die meisten mussten aber den Wäschekorb auf dem Handwagen auf die „Rolle“ ziehen. Für die Kinder war dies immer ein besonderes Erlebnis, denn sie durften (mussten) die „Rolle drehen“! Das Zentrum des Haushaltes war der Küchenherd. Diese großen Tausendsassas konnten kochen, backen, braten und heißes Wasser bereiten, oft sind sie auch die einzige Wärmequelle in der Wohnung gewesen. Mit dem Stadtgas (1902) kamen die Gaslampen in die Häuser und die Gaslaternen auf die Straßen, die Petroleumlampe hatte ausgedient. Bald hielten die ersten Gaskocher Einzug. Die Wasserleitung (1907) machte mit der Wasserschlepperei Schluss. Jahrhunderte lang mussten die Leute das Wasser an einen der Brunnen in der Stadt holen. Das Wasser für die „große Wäsche“ wurde im Mühlgraben oder in der Elster geschöpft. Für die tägliche Körperpflege musste eine Waschschüssel ausreichen, die ihren Platz in einem separaten Ständer hatte, später gehörte eine aus Wasserkrug und Schüssel bestehende Waschgarnitur auf der sogenannten Waschkommode zur Standardausstattung jedes Schlafzimmers. Obwohl die Arbeitszeit sehr lang war, gearbeitet wurde im Handwerk nach dem Tageslicht, fanden die „alten“ Pegauer doch noch ausreichend Zeit für ein vielgestaltiges gesellschaftliches Leben. Im 19. und zu Beginn des 20. Jahrhunderts vollzog sich dieses an den Stammtischen, in Kegelclubs und Vereinen. Das Vereinsspektrum ist breit gefächert gewesen. Es gab in Pegau gleich mehrere Turnvereine, drei Gesangsvereine, einen Schützen- und Militärverein, einen Gewerbe- und einen Verschönerungsverein, einen bürgerlichen Geselligkeitsverein die schauspielernde Gesellschaft „Sanssouci“ und mehrere kirchliche Vereine.

 

Waschgeräte

Waschgeräte
Mitte 19.Jh.

 

Die Pegauer Gasanstalt
Leuchtgas erhielt man durch das Verkoken von Steinkohle in besonderen Öfen (Retorten). Zum Ausgleich von Verbrauchsspitzen und der Druckkonstanthaltung war zwischen die „Retorten“ und die Verbraucher ein „Gasometer“ geschaltet. Mit dem Bau des Gaswerkes ist am 1. Mai 1902 begonnen worden und schon am 10 September erhellten die Gaslaternen die Straßen der Stadt. Das Leuchtgas diente nicht nur zur Straßen- und von Wohnungsbeleuchtung, sondern auch als „Kochgas“ und als „Treibstoff“ für Gasmotoren.

 

Pegauer Gasanstalt

Pegauer Gasanstalt
Fotografie 1902

 

Sender Wiederau
Am 28. Oktober 1932 nahm der erste Großsender Deutschlands den Sendebetrieb auf. Die 308 m lange Antenne war zwischen zwei 125 m hohen Holzgittermasten ausgespannt. 1935 wurde ein neuer 150 m hoher Sendeturm gebaut, der am 27. Oktober 1953 gesprengt wurde. 1953 und 1969 sind die beiden noch heute im Dienst stehenden Rohrmasten errichtet worden.

 

Großrundfunksender

Großrundfunksender Pegau/Wiederau
Ansichtskarte 1932

 

Kofferradio KÖRTING „Tourist“
Die hochgestellte Rückwand diente als Empfangsantenne für das Gerät. Die Frontklappe schützte beim Transport die Bedienelemente und den Lautsprecher. Der stolze Preis für ein solches Gerät lag mit 284,84 Mark über dem Monatsverdienst eines Arbeiters und blieb daher ein Luxusgegenstand.
Den kurze Feierabend genossen die guten alten Pegauer. Die Frau des Hauses nahm ihren Stickrahmen oder den Strickstrumpf zur Hand, derweil der Herr Gemahl es sich gemütlich machte, seine Pfeife anzündete und seine Zeitung las. Als es später dann das Radio gab, saß die ganze Familie davor, lauschte Hörspielen und Politikerreden oder „horchte Schlager“. Der Fernseher veränderte schließlich das Freizeitverhalten auch der alten Pegauer nachhaltig.

 

Kofferradio

Kofferradio KÖRTING „Tourist“
Hersteller: Dr. Dietz & Ritter GmbH Leipzig O 27

Baujahr: 1938 Stromquelle: 2 Stück. Anodenbatterien

 

Alter und Krankheit

 

In jedem Lebensalter, vor allem aber im Alter, brauchten die Menschen ärztliche Hilfe und die Heilmittel der Apotheke. Die Pegauer Apotheke reicht bis ins Mittelalter zurück. Seit 1636 hatte sie das kurfürstliche, später das königliche Privileg, welches ihr zusicherte, dass sich keine andere Apotheke im Umkreis ansiedeln durfte (daher privilegierte Löwenapotheke). Während der großen Choleraepidemie von 1850, der mehrere hundert Pegauer zum Opfer fielen, richtete die Stadt ein Krankenhaus ein (bis 1927). Die Stadt Pegau kaufte 1850 die ehemalige Gaststätte Friedrichshöhe, um darin ein Krankenhaus einzurichten. Damals suchte eine Choleraepidemie die Stadt heim, der 260 Personen jeden Alters zum Opfer fielen. Das Krankenhaus wurde bis 1927 betrieben. Danach verwendete es die Stadt zur Unterbringung exmittierter Familien. Im „Krankenhaus“ zu wohnen war keine gute Adresse! Die Kommune hatte auch für die Ärmsten der Stadt zu sorgen. Sie erhob von den Bürgern eine Armensteuer mittels derer zwei Armenhäusern unterhalten wurden. Der Lebenslauf der „alten“ Pegauer endete zu allen Zeiten schließlich auf dem Friedhof.

Pegauer Krankenhaus

Das Pegauer Krankenhaus
Zeichnung um 1880

 

Bereits seit der Klosterzeit gab es in Pegau Hospitäler zur Versorgung Kranker und Unterbringung mittelloser Menschen. Sie lagen außerhalb der Stadtmauer. Das Oberhospital befand sich in der Carsdorfer Straße an der Stelle des jetzigen Friedhofsparkplatzes. Das im Volksmund der „Spittel“ genannte Gebäude wurde in den sechziger Jahren abgerissen.

 

Kruzifix

Kruzifix
Sandstein, 18. Jahrhundert Pegau, Oberhospital

 

Das Wappentier der Apotheke hält mit seinen Vorderpfoten einen ovalen Schild mit der Aufschrift: 1636 Privil. Löwen Apotheke. Es ist ein Geschenk des letzten Pegauer Apothekrs Herbert Schatka, bevor die Apotheke verstaatlicht wurde.

Apothekerzeichen

Apothekerzeichen der Pegauer Löwen-Apotheke
Holz, farbig gefasst 1636

 

Die Begräbnisordnung von 1855
Es hieß zwar: „Im Tod sind alle Menschen gleich“ – das galt aber nicht für die Beerdigung. Diese war je nach dem, wie gut die Familie des Toten situiert war, einfach bis zuweilen pompös. Es gab die Wahl zwischen drei Kategorien, „je nach Verschiedenheit der damit verbundenen Feierlichkeiten und der zu entrichtenden Gebühren.“. Die Begräbnisfeiern waren eine willkommene Nebeneinnahme der Herren Lehrer, denn je nachdem der Verstorbene mit einer viertel, halben oder ganzen „Schule“ beerdigt wurde, waren von den Hinterbliebenen entsprechende Taxen für den Gesang zu entrichten. Es sei denn, dass ein armer Schlucker „sang- und klanglos“ unter die Erde kam.

 

 

Zwei gute Beispiele zum Schluss

 

Das erste:
Ruhe und Ordnung war die erste Bürgerpflicht. Wer dies nicht einsah, der machte seine Bekanntschaft mit der gestrengen Obrigkeit: Ebenso wenig, wie man das Geifern zänkischer Weiber ertrug (man spannte sie in die „Schandgeige“ und stellte sie auf dem Markt zum Gespött der Leute an den Pranger), so duldete man keine Vergehen gegen das Eigentum und das Leben der Bürger. Absolut keine Gnade gab es bei Sexualdelikten, besondern solchen, die an Kindern begangen wurden, da lautete das Urteil schlicht und einfach: Kopf ab! Den Delinquenten legte man im Gefängnis Hand und Fußfesseln an, um sie am unerlaubten „Freigang“ zu hindern. Bagatellstraftäter schloss man gewöhnlich für ein paar Tage oder Wochen bei „Wasser und Brot“ in eine Zelle der Polizeiwache oder des Amtgerichtes weg. Für die „schweren Jungs“ von damals reichte eine stabile Holztür und vergitterte Fenster, um jeden Ausbruchversuch zu unterbinden.

Gefängnistür

Gefängnistür
Polizeiwache Pegau (Helbigstraße 1) um 1900

 

Das zweite:
Einen krummen Buckel bekam man früher bestenfalls durch körperlich schwere Arbeit, die Angestellten im Kontor jedenfalls nicht. Die standen nämlich schön aufrecht am Stehpult (ob es dafür mehr Plattfüße gab als heute, ist bisher von den Arbeitsmedizinern noch nicht untersucht worden!). In den Kontoren der Fabriken und in den Ämtern gehörte das Stehpult zur Standardausstattung des Arbeitsplatzes der niederen Chargen. Der Schreibtisch war in jedem Fall dem Chef vorbehalten.

Stehpult

Stehpult
Rathaus Pegau um 1900

 

Kindermörder Franz Christian Hantsche
Hantsche hatte 1822 an der achtjährigen Johanne Christine Krägelin aus Zwenkau im dortigen Eichholz einen Sexualmord begangen. Er wurde gefasst und zum Tode durch Enthaupten verurteilt. Das Urteil ist am 19. November 1824 auf der Pegauer Richtstätte vollstreckt worden. Es war dies die letzte Hinrichtung in Pegau.

Kindermörder

Kindermörder Franz Christian Hantsche
Kupferstich nach einer Zeichnung von Friedrich August Fissel 1824

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